Skip to main navigation Skip to main content Skip to page footer

Zelte: Typen, Equipment, Aufstellung

Das, was ich da mit meinem Zelt veranstalte, nannte man früher ja mal Camping. Nachdem dieses Wort heute eher das Abstellen eines möglichst großen Wohnmobils mit allem erdenklichen Komfort auf Luxus-Campingplätzen meint, bevorzuge ich den Begriff Zelten. Das findet dann zwar meistens trotzdem auf Campingplätzen statt, aber manchmal eben auch wild an einer Steilküste oder auf einer Lichtung.

Bei der Wahl und beim Aufstellen des Zeltes und bei der Zusammenstellung des Equipments hat natürlich jeder Outdoor-Experte eine andere Meinung. Da man dabei auch viel falsch machen kann, folgen hier ein paar Tipps, um die Sie mich nicht gebeten haben und die Sie deshalb natürlich auch gerne ignorieren können.

Zeltgröße

Zunächst mal rede ich hier von Solo-Reisen. Früher habe ich mein Zelt auch mit Schulfreunden und Familienangehörigen geteilt, aber in meinem heutigen Alter will dabei eh keiner mehr mitmachen. Also bin ich seit einiger Zeit immer alleine auf einer Art Selbstfindungs-Trip, oder sagen wir, auf einer Rückbesinnungsfahrt zu mir selbst.

Daraus folgt, dass ich mich nur mit Ein-Personen-Zelten wirklich auskenne. Für zwei oder drei Leute und das entsprechende Zelt gelten aber immerhin grundsätzlich die gleichen Regeln. Nur bei noch größeren Zelten gibt es dann sicherlich abweichende Erfordernisse.

Ich betrachte zwei, drei Wochen im Zelt nicht als Luxus-Erlebnis, dafür gehe ich ins Hotel. Es geht für mich immer darum, mit einem möglichst kleinen Zelt auszukommen. Erfahrungsgemäß ist das nicht für jeden gleich akzeptabel. Ich kann in meinem Zelt nicht mal richtig sitzen, so klein ist es. Ich habe auch Leute getroffen, die mit insgesamt weniger Gepäck unterwegs waren als ich, dafür aber ein Zwei-Personen-Zelt dabei hatten. Da passt dann wirklich alles in die Apsis oder sogar ins Zelt, ohne dem Schlafsack im Weg zu sein. Auch das ist eine völlig valide Philosophie. 

Zwei Ein-Personenzelte, die ich auf meinen Reisen verwendet habe.
Links ein Tunnelzelt, rechts ein so genannter Geodät.

Vorteile eines minimalistischen Zeltes sind neben dem geringeren Gewicht vor allem das kleinere Packmaß und die Genügsamkeit bei der Aufstellfläche. Ich habe schon an Orten übernachtet, wo ein auch nur minimal größeres Zelt nicht mehr hingepasst hätte. Wenn Sie dagegen ohnehin immer in einem Garten oder auf einem Campingplatz übernachten, dann ist das für Sie nicht so wichtig und Sie dürfen sich natürlich auch etwas mehr Komfort gönnen.

Zelttypen

Es gibt genau zwei bewährte Grundtypen von Zelten, die auch jenseits eines deutschen Campingplatzes eingesetzt werden können: Tunnel und Geodät. Alles andere ist neumodischer Unfug. Also jedenfalls hat mich nichts, was ich in den letzten Jahren gesehen habe, das wären Mischformen aus beiden oder gestängefreie Luftkammer-Zelte oder solche mit außen liegenden Stangen, wirklich überzeugt. Wobei ich sie natürlich nicht ausprobiert habe. Ich habe diese Zelte und vor allem ihre Besitzer gesehen und habe mir meinen Teil gedacht. So voreingenommen kann ich manchmal sein. Ich würde jedenfalls behaupten: Immer dann, wenn ein erfahrener Abenteurer in einem Zelt jenseits befestigter Campsites unterwegs ist, bei Gewitter, Hagel, Sturm oder Schnee, dann ist da entweder ein Tunnelzelt im Einsatz oder eins mit gekreutzten Zeltstangen, also ein Geodät.

Ein vernünftiges Zelt besteht für mich übrigens immer aus einem Außen- und einem Innenzelt. Nur so kann es unabhängig von äußeren Bedingungen im Zelt trocken bleiben. Lassen Sie sich nichts anderes aufschwätzen.

Tunnelzelt

Ein Tunnelzelt hat die Form eines längs halbierten Schlauches. Zwischen den beiden zum Boden abfallenden Endstücken spannt sich jeweils zwischen zwei halbkreisförmigen Stangen ein weiteres, gerades Segment. Im einfachsten Fall, so wie auf dem Bild oben links, gibt es gar kein gerades Zwischensegment und das Zelt hat nur eine Stange.

Ein Tunnelzelt für drei Personen. Es handelt sich um ein älteres Wechsel Outpost 3. Dieser Klassiker ist in modernisierter Form weiterhin erhältlich.

Ein Tunnelzelt hat einige Handvoll Vorteile gegenüber Geodäten:

  • Es ist leichter, weil es bei gleicher Größe mit weniger und kürzere Stangen auskommt. Mein eigenes Ein-Personen-Zelt hat zum Beispiel 1,6 kg gewogen, mein Geodät bei vergleichbarer Qualität dagegen etwas über 2 kg.
     
  • Aus dem gleichen Grund ist es im verpackten Zustand meist platzsparender. Das war auch bei mir der Fall. Wobei es auf meinem Reiserad dafür genau einen Stammplatz gibt (längs auf der Mitte des Gepäckträgers), so dass dieser Aspekt eigentlich keine Rolle für mich spielt. Etwas anderes dagegen ist es im Wanderrucksack. Da machen wenige Zentimeter Unterschied in Länge und Durchmesser viel aus.
     
  • Es lässt sich ohne Zeitdruck im Regen aufbauen, weil das Innenzelt in das Außenzelt eingehängt wird. Man darf sich natürlich trotzdem nicht ganz ungeschickt anstellen, wenn man innen alles trocken lassen will, aber es ist immerhin möglich. Auch wenn das Innenzelt noch vom letzten Schlafplatz im Außenzelt hängt, geht ein trockener Aufbau problemlos vonstatten. Nur beim Abbau würde ich Innen- und Außenzelt immer trennen, wenn das Außenzelt nicht absolut trocken ist.

Vor allem der letzte Punkt hatte mich dazu veranlasst, mir für meine 2024er Lofoten-Tour ein Fjällräven Abisko Lite 1 zuzulegen. Es kam dann aber erstens gar nicht so viel Regen wie erwartet. Und dann haben mich auch ein paar andere Aspekte nicht so richtig vom Prinzip Tunnelzelt überzeugt, siehe nächses Unterkapitel. Deshalb habe ich das Zelt schon wieder weiterverkauft. Dabei muss ich aber klarstellen, dass konkret das Abisko Lite 1 von der Qualität her über jeden Zweifel erhaben ist. Und die vier kurzen senkrechten Stangen an den Enden haben das Zelt innen viel geräumiger erscheinen lassen als meinen kleinen Geodäten.

Geodätisches Zelt

Immer, wenn sich Zeltstangen kreuzen, handelt es sich um ein Kuppelzelt. Wenn es darüber hinaus mindestens drei Kreuzungspunkte gibt und mindestens drei Zeltstangen, dann spricht man von einem Geodäten. Diese Konstruktion hat wiederum gegenüber einem Tunnelzelt ein paar Vorteile:

  • Ein geodätisches Zelt ist (noch) sturmstabiler als ein Tunnel. Wobei es bei letzterem vor allem eine Rolle spielt, woher der Wind weht. Tunnelzelte sind in Längsrichtung genauso windstabil wie Geodäten. Aber erstens kann sich der Wind auch mal drehen und zweitens ist es ja nicht immer möglich, die Ausrichtung völlig frei zu bestimmen. Je weniger Platz ist, zum Beispiel auf einem überfüllten Campingplatz (Na ja gut, dann gibt es in der Regel auch keinen Orkan) oder an einer Steilküste, desto kniffliger kann es werden, das Zelt völlig frei auszurichten. Vorteil Geodät.
     
  • Wenn nicht gerade ein Orkan tobt, kann man beim Geodäten auch mal einen Hering weglassen, wenn man partout keinen in die Wiese bekommt, oder an der Stelle einfach keine ist. Im Extremfall kann man völlig ohne Heringe auskommen. Wenn es windstill ist, muss man nicht mal abspannen. Weht ein etwas raueres Lüftchen, dann können die Spannleinen auch an einem Baum oder einem Felsen befestigt werden. Das eigene Körpergewicht oder geschickt im Inneren platzierte Gepäckstücke können auch für eine gewisse Resilienz gegen Wind sorgen. Ein Tunnelzelt dagegen muss immer mindestens an vier Stellen abgespannt werden, sonst lässt es sich gar nicht erst aufbauen.
     
  • Bei großer Wärme, und dazu reichen schon milde Temperaturen mit ein bisschen Sonnenschein, kann man beim geodätischen Zelt einfach das Außenzelt weglassen. Wenn ich mal irgendwo für zwei Nächte in Folge Station mache, dann erledige ich am Ruhetag dazwischen in der Regel haushaltsnahe Dinge wie Wäsche waschen. Die Zeit, die ich dadurch totzuschlagen habe, verbringe ich gerne zur Erholung einfach liegend im Zelt. Tagsüber kann das im Tunnelzelt unaushaltbar sein vor Hitze. Wohl dem, der ein Zelt hat, beim dem sich die Hülle entfernen lässt. Beim Geodäten zum Beispiel. 

Mein neues Solozelt ist das aktuelle Wechsel Pathfinder. Den fast baugleichen Vorgänger hatte ich fünzehn Jahre lang im Einsatz. Das Zelt scheint im Abverkauf zu sein und ist im Moment unglaublich günstig. Schlagen Sie schnell zu! ; -)

Den Nachteil beim Aufbau im Regen kann ich inzwischen ganz gut umgehen, weil ich mein Zelt gut genug kenne. Bei einem anderen Exemplar würde ich wieder länger brauchen beim Aufbau und vielleicht doch nass werden. Das Problem ist, dass immer erst das Innenzelt aufgebaut und das Außenzelt erst danach darüber geworfen wird. Ein echter Wolkenbruch hat ja auch mal ein Ende, den muss man einfach abwarten. Aber bei Dauerregen muss man irgendwann in den sauren Apfel beißen und dann muss es eben einfach schnell gehen. Das bedeutet auch, dass man ein Zelt vor einer Irland-Tour besser ein bis drei Mal irgendwo bei Sonnenschein aufgebaut haben sollte, damit jeder Handgriff sitzt. Ich lege im Regen immer das Außenzelt schon im abgebauten Zustand als Schutz über das Innenzelt und fädele die Stangen dann blind ein. Das braucht einfach etwas Übung.

Tipps und Tricks

Abschließend noch ein paar goldene Regeln, die ich für mich selbst aufgestellt habe und die ich wärmstens zum Abkupfern empfehlen kann.

Footprint

Verwenden Sie immer, auch auf dem besten Campingplatz, einen Footprint. Das ist eine Art Grund-"Platte" und kommt zwischen Boden und Zeltboden. Es gibt für alle hochwertigen Zelte einen "Footprint" oder ein "Groundsheet" als Zubehör. Die paar Extra-Gramm sollten Sie sich wirklich gönnen. Wenn Sie auf einem Felsen übernachten oder versehentlich einen Stock oder einen Stein übersehen haben, dann müssen Sie im Zweifelsfall nur den Footprint ersetzen oder flicken und nicht gleich das ganze Zelt.

Der Footprint (oder das Groundsheet) meines Outposts (links) und meines Pathfinders (rechts).

Aufstellung

Mein eigenes Zelt hat eine gewisse Vorzugsrichtung, in der ich drin liegen sollte. Es geht zwar auch andersrum, also Kopf und Füße vertauscht, aber optimal ist das nicht. Daraus folgt, dass ich immer als erstes schaue, ob es ein Gefälle gibt. Wie stark ist der Boden wohin geneigt? Manchmal sieht man das nicht so einfach auf Anhieb, dann lege ich mich zur Probe einfach mal auf den Boden. Sieht ulkig aus, stört mich aber nicht. Wenn es ein Gefälle gibt, dann versuche ich, genau den Gradienten mitzunehmen. Sollten Platz oder andere Umstände (Eingang lieber zum Meer als zur Platz-Rezeption und so was) dagegen sprechen, muss ich also einen Kompromiss finden. Für eine Nacht seitwärts wegrollen ist nicht so schlimm. Kopf nach unten dagegen schon, jedenfalls für mich.

Beim wilden Zelten in Skandinavien oder notfalls auch mal hier bei uns kommen noch ganz andere Aspekte dazu: Bitte nicht in einer Wildschweinkuhle oder an einem erkennbaren Wildwechsel-Pfad. Nicht so, dass jeder von der Straße aus das Zelt sehen kann. Nicht auf sumpfigen Gebiet oder in einem ausgetrockneten Flussbett. Leider muss man sagen, dass Gefahr eher von betrunkenen oder üblen Menschen oder deren Hunden ausgeht als von Wildtieren. Auch das gilt es zu berücksichtigen. Das sind aber Einzelaspekte, die man hier nicht alle aufzählen kann. Sie wissen aber, worauf ich hinaus will?

Abspannung

Zwei der häufigsten Fehler, die ich immer wieder bei meinen Zeltnachbarn sehe, betreffen das Abspannen.

Zum einen: Ich würde immer alle Heringe verwenden, die beim jeweiligen Zelt vorgesehen sind. Bei meinem Pathfinder sind das vierzehn Stück, beim Outpost 3 sogar zwanzig. Wer einmal anfängt, aus Bequemlichkeit nur die inneren Heringe zu befestigen und die Abspannleinen ausspart, der wird irgendwann mitten in der Nacht aus dem Zelt krabbeln müssen, um im unvorhergesehenen Sturm dann doch noch die Leinen zu spannen. Nur dass das dann garantiert keinen Spaß macht. Nur wenn es partout nicht anders geht (Felsbrocken, kein Platz), lasse ich einen Hering weg. Um im übrigen hat es keinen Sinn, den Hering der Abspannleine direkt neben dem der Zelplane zu platzieren. Es braucht schon etwas Abstand, wenn die Leine etwas bringen soll. Auch wenn sie dann als Stolperfalle dient.

Und dann ist da noch das Problem mit der wechselnden Feuchtigkeit. Erstens produziert der oder die Schlafende eine ordentliche Menge davon selber. Diese muss letztlich an der Innenseite des Außenzeltes ablaufen, nachdem sie dort kondensiert ist. Und dann wird es nachts immer kälter sein als am Tag. Irgendwann fällt das Thermometer unter den Taupunkt oder kommt in dessen Nähe und dann werden Leinen und Zeltplanen feucht oder sogar nass. Dann dehnen sie sich aus und es kann passieren, dass das Außenzelt das Innenzelt berührt. Das wollen Sie nicht, glauben Sie mir. Entweder wird es gleich richtig nass im Zelt oder der warme Pulli, den Sie am nächsten Morgen eigentlich brauchen, lag an der Zeltwand und ist jetzt ein Schwamm geworden. Das gilt um so mehr, wenn es in der Nacht anfängt zu regnen. Deshalb: Abends alle Leinen und Riemchen immer maximal straffen. Bei praktisch jedem stärkeren Regen kann ich es erleben, dass mitten in der Nacht jemand laut fluchend aus dem Zelt gestolpert kommt und das dann nachholen muss, wenn es garantiert ungemütlich ist.

Umgekehrt gilt: Wenn es am Tag sonnig und heiß wird, dann müssen die Leinen auch wieder entspannt werden, damit nichts reißt!