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Schon ein Jahr nach Norwegen war ich wieder mit dem Reiserad auf Tour, wieder allein, wieder im Norden Europas, und zwar diesmal auf den Färöer. Ich hatte nur fünf Tage eingeplant, um meine daheim gebliebene Familie nicht zu ärgern, aber ich muss sagen: Das reicht nicht annähernd, wenn man die Färöer richtig erleben möchte, zumal das Wetter ein gewisses Risiko darstellt. Ich würde beim nächsten Mal noch ein paar Tage dranhängen.

Ob man auf die Färöer nun unbedingt mit dem Fahrrad muss, das sei mal dahingestellt, aber wer Nordeuropa etwas abgewinnen kann, der muss einmal hier gewesen sein.

Anreise und Vágar

Die meisten Touristen erreichen die Färöer mit der Island-Fähre; mir ist das zu teuer und auch zu zeitaufwändig. Ich fliege lieber, und zwar von Frankfurt über Kobenhagen zum einzigen Flughafen der Färöer auf die Insel Varga. Direkt daneben befindet sich einer der wenigen Zeltplätze der Färöer. Dort habe ich sogar einen Platz reserviert, was dann aber doch etwas übertrieben ist. Immerhin treffe ich dort einen Reiseradler aus Flensburg, der mir viele Tipps für die Fahrt auf den Färöer gibt.

Auch diesmal habe ich wieder den bewährten Rose-Einmalkoffer dabei. Mit der Bahn geht es zum Frankfurter Flughafen und von da über Kobenhagen zum...
Flughafen Vágar auf den Färöer. Die Einflugschneise ist beeindruckend, die Länge der Landebahn auch. Mehr als dieser Airbus 319 dürfte da nicht Platz haben.
Bei strahlendem Sonnenschein und frischen 12 Grad fahre ich am ersten Abend nur am See Leitisvatn vorbei bis zum...
...ersten Campingplatz Giljanes. In praktisch jeder einigermaßen geschützen Bucht werden Lachse gezüchtet.
Am nächsten Morgen geht es über den ersten Pass ans Nordostende der Insel Vágar. Dort fahre ich durch den Vágartunnel unter dem Atlantik hindurch auf die Hauptinsel Streymoy.
Die meisten Tunnel sind zweispurig und beleuchtet. Es fehlt aber meist ein Randstreifen, man muss sich also auf dem Rad etwas konzentrieren, wenn ein LKW vorbeibrettert.
 
 
 
 

Streymoy 1

Bei Sonnenschein und immerhin 12 Grad fahre ich unter dem Atlantik hindurch auf die Hauptinsel Streymoy. Ich will so schnell wie möglich in den rauhen Norden, solange das Wetter noch so schön ist. An der Brücke zur Insel Eysturoy höre ich aber auf den Reiseführer und gebe mir noch die Sackgasse nach Tjørnuvík mit der grandiosen Aussicht auf Risin und Kellingin.

Auf Streymoy versuche ich, möglichst schnell nach Norden voranzukommen. Auf der alten Uferstraße des Sees Leynavatn kann man den kurzen Leynatunnel umfahren.
Blick von der stillgelegten Uferstraße über den Leynavatn zum Berg Sneis.
Die Holzkirche von Kollafjørður. Nach diesem Foto gehe ich erst mal seelenruhig einkaufen, das Innere will ich mir später ansehen.
Als ich wieder aus dem Supermarkt komme, stehen vor der Kirche drei Reisebusse und ergießen ihren Inhalt in die Kirche. Erst nach 30 Minuten ist wieder angemessene Ruhe eingekehrt.
Auf dieser Brücke werde ich später auf die nächste Insel Eysturoy übersetzen, zunächst fahre ich aber weiter auf der südlichen Seite der Meerenge Sundini.
Blick auf die Nordseite des Sundini bei Norðskáli. Durch den Berg im Hintergrund bohrt sich der Norðskálatunnilin, den ich aber nicht mit dem Rad durchfahren werde.
Haldarsvík mit seiner hübschen, achteckigen Kirche.
Unschwer zu erkennen: Bald ist die Straße am Südufer des Sundini zu Ende. Irgendwo im Hintergrund endet auch die Welt, glaube ich.
Grund für meinen anstrengenden Abstecher auf diese Straße ist der Blick auf die Trolle Risin und Kellingin.
Die Abfahrt nach Tjørnuvík ist das Ende der Straße. Wie dumm von mir: Ich bin das Sackgassen-Fahren auf den Färöer noch nicht gewohnt und versäume es, mein Gepäck einfach oben zu lassen.
Vom Sandstrand Tjørnuvíks aus hat man die beste Perspektive auf die Felsen Risin und Kellingin.
Die Kirche von Tjørnuvík.
Auf der Rückfahrt zur Eysturoy-Brücke schaue ich mir noch diesen Wasserfall an. Mit vernünftigen Schuhen könnte man bis ans Wasser laufen, aber mit meinen Klickpedal-Schuhen lasse ich das lieber.
 
 

Eysturoy

Erst am späten Nachmittag erreiche ich dann Eysturoy. Ich fahre erneut am Sundini entlang nach Norden, diesmal auf der anderen Uferseite. Nach Eiði windet sich die Straße bei heftigem Gegenwind hinauf ins Inselinnere. Zum Abend hin schaffe ich es mit Ach und Krach nach Gjógv, wo es zwar einen Campingplatz gibt, aber leider keinen für Zelte. Nach einer privaten Übernachtung fahre ich bei schlechter werdendem Wetter weiter bis zum Tunnel nach Borðoy, wieder hauptsächlich gegen den Südost-Wind.

Ich bin spät dran und lasse Eiði am Nordwestende von Eysturoy links liegen. Kurz vor der Kirche biege ich ab auf die aufwärts führende Staße Richtung Gjógv.
Dort habe ich noch mal einen Ausblick auf Risin und Kellingin aus einer anderen Perspektive.
Blick zurück über den Eiðisvatn. Er wird zur Energiegewinnung angestaut und ist dadurch stark angewachsen. Stausee und Atlantik scheinen zu verschmelzen, aber das täuscht natürlich.
Wirklich weit hoch führt die Straße nach Gjógv eigentlich nicht, aber der Anstieg will einfach kein Ende nehmen.
Hinter dem Parkplatz am Slættaratindur geht es wieder steil bergab. Jetzt muss ich mich entscheiden: Links hinunter nach Gjógv, morgen aber wieder rauf, oder lieber gleich weiter nach Südosten?
Ich entscheide mich für Gjógv, mehr hätte ich nicht mehr geschafft. Und während ich in Langarmshirt und Fleecejacke rumlaufe, genießen die Färinger-Kinder den Sommer im Gebirgsbach.
Gjógv ist ein ausgesprochen schönes Dorf.
Die namensgebende Felsspalte des Ortes wird als Hafen genutzt. Wobei man die Boote lieber über die Schienen vor den Herbststürmen in Sicherheit bringt.
Der örtliche Campingplatz nimmt nur Wohnwagen auf. Ich dusche gegen ein kleines Entgelt in diesem Hotel...
...und schlage mein Zelt dann etwas auswärts beim netten Bewohner dieses Hauses auf. Den Tipp dafür bekam ich im Hotel.
Am nächsten Morgen geht es bei unfassbarem Gegenwind wieder hinauf zur Straße nach Funningsfjørður.
Diese Abfahrt habe ich mir verdient!
Nach Funningur fahre ich nicht hinein, stattdessen suche ich mir oberhalb des Ortes einen Frühstücksplatz mit herrlicher Aussicht auf  die Insel Kalsoy.
Die einsame Straße entlang des Fjordes nach Funningsfjørður. Ich begne hier kaum Menschen oder Autos. Nur Schafe laufen hier rum, wie könnte es auch anders sein.
Über die 10 und die 70 fahre ich in Richtung meines Tagesziels Klaksvik. Kurz vor dem Leirvíkartunnilin liegt das Dorf Norðragøta mit einem der zahlreichen Fußballplätze der Färöer.
Der Eingang zum vergleichsweise harmlosen Leirvíkartunnilin: Beleuchtet, zwei Spuren: Kindergeburtstag!
Von Leirvík aus hat man eine schöne Sicht entlang der Insel Kalsoy...
...sowie Kunoy und Borðoy.
 
 

Klaksvík

Nach einer weiteren Atlantik-Unterquerung lande ich in Klaksvík, der zweitgrößten Stadt der Färöer. Nun ja, hierzulande würde man eher von Städtchen sprechen. Die Besucher des gleichzeitig eingelaufenen Kreuzfahrtschiffs Celebrity Eclipse haben die Zahl der Menschen jedenfalls mehr als verdoppelt. In Klaksvík dreht sich alles um Fisch. Und ums Bier, denn hier gibt es die einzige Brauerei der Färöer.

Einfahrt in den 6 Kilometer langen Norðoyatunnilin, der den Atlantik unterquert.
Am tiefsten Punkt (150 Meter unter Null) sorgt eine Lichtinstallation von Tróndur Patursson für Abwechslung. Leider ist es hier extrem laut wegen der Entlüftung.
Im Notfall wäre das ein ganz schöner Spaziergang.
Auf der anderen Tunnelseite in Klaksvík erwartet mich vollkommen anderes Wetter. Es wird langsam färöisch.
Die Christianskirkjan im Stadtzentrum.
Blick vom kommunalen Campingplatz auf die Stadt Klaksvík...
...und Richtung Südosten auf den Atlantik.
Das Kreuzfahrtschiff Celebrity Eclipse bringt Kaufkraft nach Klaksvík. Aus diesem Anlass haben die Läden auch sonntags geöffnet.
Kommen wir nun zum spannenden Teil der Nordinseln. Durch diesen Tunnel muss ich. Auf der Hinfahrt höre ich noch auf den Rat der Einheimischen und des Reiseführers und fahre per Anhalter.
 

Viðoy

Ich habe mein Reiseziel erreicht: Die nördlichste Insel Viðoy. Leider ist das Wetter inzwischen wirklich miserabel. Kälter geworden ist es zwar nicht, es sind eigentlich immer 12 Grad, auch nachts. Nur in den Tunneln ist es saukalt, knapp über Null, schätze ich mal. Aber es regnet jetzt eigentlich permanent, mal weniger, mal mehr. Dadurch liegt auch ausgerechnet die Bucht von Árnafjørður unter Wolken, da hatte ich mich so sehr auf das Panorama gefreut. Tja, so ist das eben im Lande "Maybe".

Übrigens, wer die bisherigen Durchfahrten durch die beleuchteten und doppelspurigen Tunnel schon gruselig fand, der steht mit dem Árnafjarðartunnilin und dem Hvannasundstunnilin vor einer echten Herausforderung.

Nach den Tunneldurchfahrten lasse ich mich wieder rauswerfen und genieße das Atlantikwetter. Im Hintergrund könnte man die Insel Svínoy sehen.
Vermutlich wissen die wenigsten Fähringer, was das bedeutet.
Auf dem Damm zwischen Borðoy und meinem Reiseziel Viðoy, rechter Hand.
Ich folge der Straße bis ins nördlichste Dorf Viðareiði. Ich glaube, hier ist endgültig das Ende der Welt.
Die Nordküste der Färöer ist beeindruckend schroff.
Die Kirche von Viðareiði bei angemessenem Wetter.
Auf dem Rückweg beginnt es zu regnen. Es wird hier im Norden auch nicht wieder aufhören. Wenigstens habe ich nur einen Bruchteil des Gepäcks dabei, weil ich den Rest im Zelt lassen konnte.
An der Kirche von Hvannasund regnet es leider in Strömen.
Man sieht auf den Färöer eigentlich kaum Verkehrszeichen. Da sollte diese Ansammlung am Nordportal des Hvannasundstunnilin wirklich ernstgenommen werden.
Der 2 Kilometer lange Tunnel ist definitiv nichts für Radler mit schwachen Nervern. Reiseführer und Tourismusbüro raten dringend davon ab. Etwa alle 200 Meter gibt es rechts eine Ausweichbucht.
Den ersten Tunnel habe ich geschafft, ich stehe oberhalb von Árnafjørður. Ich hatte mich so sehr auf die Aussicht hier gefreut, leider spielt das Wetter nicht mit.
Blick hinunter nach Árnafjørður. Angesichts des miserablen Wetters spare ich mir die Ab- und vor allem die erneute Auffahrt zurück zur Tunnel-Straße.
Einfahrt in den zweiten Tunnel, Árnafjarðartunnilin, zurück nach Klaksvík. Auch er ist unbeleuchtet, einspurig und knapp 2 Kilometer lang. Zugegeben: Nicht ganz ungefährlich.
 
 

Tórshavn

Für die Fahrt nach Tórshavn nehme ich aus Zeit- und Motivationsmangel den Bus. Dort ist das Wetter wieder richtig schön. Am nächsten Tag soll es jedoch schon wieder regnen, und so werde ich wohl auf den Reiseführer hören, der von einer Fahrt über die alte Bergstraße in Richtung Vestmanna bei Wolken abrät. Da ich sie trotzdem gern fahren will, beschließe ich, heute von Tórshavn aus einen Ausflug auf diese Straße zu machen, um die Aussicht auf Hestur und Koltur zu bestaunen. Aber selbst dieser Versuch endet im Nebel. Ich kehre um nach Tórshavn, schaue mir abends im Irish Pub das Finale der Fußball-WM an und muss danach mein Zelt zwischen hunderten Touristen suchen, die mit der Islandfähre angekommen sind.

Noch ist es ziemlich ruhig auf dem Campingplatz von Tórshavn. Mit großem Abstand ist das der beste Platz, den ich auf den Färöer hatte, hier hält man es sicher Wochen aus.
Blick über das Zentrum und den Hafen der Landeshauptstadt.
Ich fahre die alte Bergstraße hinauf Richtung Nordwesten, auch heute wieder nur mit kleinem Gepäck.
In der klaren Luft verlässt einen jedes Entfernungsgefühl. Leider ist es bitterkalt.
Blick Richtung Norden auf den Ostzipfel von Eysturoy.
Und Schluss mir lustig. Aus der geplanten Ausicht auf die Inseln Koltur und Hestur wird so natürlich nichts. Ich beschließe...
...umzukehren und genieße die Abfahrt nach Tórshavn.
Abends gehe ich in die Stadt und schaue mir das Finale der Fußball-WM im Irish Pub an. Leckerer Burger, leider mit viel zu viel irischer Soße.
Selbst mit meiner alten Digiknipse merkt man das fantastische Abendlicht im Hafen.
Die Fähre kommt aus Island und tauscht hunderte Gäste gegen neue aus. Die Hälfte der Landgänger treffe ich später auf dem Campingplatz wieder.
So große Schiffe hätten sich die Erbauer der alten Befestigungsanalage sicher nicht erträumen können.
Es ist bestimmt nicht ganz einfach, den Mond hier zu Gesicht zu bekommen, noch dazu im Sommer.
Falls die Wikinger mal wieder vorbeikommen.
Keine Ahnung, was dieser Touristennepp auf einer Island-Trophy soll. In so ein Autozelt würde ich mich vielleicht im Dschungel legen, aber sicher nicht im stürmischen Nordeuropa.
 

Streymoy 2

An meinem letzten Reisetag geht es wieder auf der Insel Streymoy nach Norden. Wie angekündigt ist es trübe und ich nehme die Hauptstraße mit dem Kollfjarðar-Tunnel. Kurz vor dem Vagar-Tunnel liegt das Dorf Leynar, hier besuche ich noch Finn, den ich im Flugzeug bei der Anreise kennengelernt habe. Er empfiehlt mir, noch die Vogelfelsen-Tour in Vestmanna mitzumachen und fährt mich mit seinem Auto dorthin. So schaffe ich es noch mit auf die letzte Bootstour des Tages.

 
 
 
 

Vestmanna

Zwei Anbieter veranstalten täglich Bootstouren von Vestmanna an die rauhe Westküste von Streymoy. Hier brüten einige Seevögel und man kann mit dem Boot durch diverse Felsen und Grotten schippern. Bei trübem Wetter gibt es zahlreiche angemessen theatralische Ausblicke auf die harsche Westküste der Färöer.

 
 
 
 

Rückfahrt nach Vágar

Die Rückfahrt von Westmanna nach Vágar ist wieder komplett verregnet. Damit stehe ich vor dem gleichen Problem, das ich schon letztes Jahr in Norwegen hatte: Wenn ich die letzte Nacht im Zelt verbringe, dann ist alles dermaßen nass, dass mein Gepäck Übergewicht hat. Ich nutze den letzten Zeltplatz daher zum Trocknen aller Sachen und hänge ansonsten nur auf der Couch im Aufenthaltsraum rum. Mitten in der Nacht nach dem Ende des Regens nehme ich dann noch die letzten sieben Kilometer bis zum Flughafen in Angriff. Leider hat mich die Service-Dame bei der Ankunft wohl nicht verstanden: Ich hatte gefragt, ob der Flughafen durchgehend geöffnet ist. Antwort: ja. Realität: nein. So verbringe ich die letzten bitterkalten Nachtstunden dann noch unterm Vordach der Empfangshalle.

Macht aber nichts: Ein tolles Abenteuer waren die Färöer!

 

Karte